Probleme mit einem Vermittler lösen

Unter Trennungs- und Scheidungsmediation versteht man den Versuch eines Paares, mit Hilfe eines geschulten "Vermittlers" seine Trennungs- und Scheidungsfolgen eigenverantwortlich und einvernehmlich zu erarbeiten, dabei tragfähige, individuelle Lösungen für die gesamte Familie zu finden und die Ergebnisse schließlich einer rechtsverbindlichen Vereinbarung zuzuführen. Das sich anschließende Scheidungsverfahren hat dann nur noch formalen Charakter, streitige Gerichtsprozesse finden nicht mehr statt.

Ein neuer Weg zu fairen Lösungen

Es gibt viele Wege und Möglichkeiten sich zu trennen und zu scheiden. Der traditionelle Weg besteht darin, daß die Eheleute ihre Konflikte über Anwälte und Gerichte austragen. Ein Ehepartner erfährt die Sicht des Anderen und dessen "Forderungen" in der Regel über den Schriftsatz des "gegnerischen" Anwalts. Kommt es zu einer Klage, so weist das sogenannte kontradiktorische Gerichtsverfahren Anspruch"steller" und Anspruchs"gegner" aus. Am Ende des Prozesses wird durch das Gericht der Klageanspruch voll oder teilweise als begründet "durchgesetzt" oder als unbegründet "abgewiesen". Am Ende des Verfahrens stehen also "Gewinner" und "Verlierer". Nicht selten fühlen sich sogar beide Parteien unverstanden und als Verlierer, wenn nämlich keiner von beiden seine Ansprüche vollständig durchsetzen konnte. Der richterliche Entscheid von "oben" löst Ohnmachtsgefühle aus. Das Gerichtsverfahren wird als sehr belastend, mitunter sogar als traumatisch erlebt. Das "Urteil" wird oft nicht begriffen, vielleicht als ungerecht empfunden und das Ergebnis der richterlichen Entscheidung dann innerlich auch nicht "getragen". Gefühle der Demütigung und Beschämung, Rache- und Vergeltungsbedürfnisse gegen den anderen Ehepartner bleiben zurück und bestimmen zukünftig den gegenseitigen Umgang der zerbrochenen Familie. So endet der psychische Kräfteverzehr nicht. Das getrennte oder geschiedene Paar, das zukünftig seine gemeinsame Elternverantwortung für seine Kinder weiter auszuüben hat, findet keinen "Ton" miteinander. Die dauerhaft bestehenden Spannungen, manchmal sogar wechselseitige Aggressivität und Mißachtung gegenüber dem anderen Elternteil greifen die Entwicklung, das Selbstwertgefühl und die Leistungsfähigkeit der gemeinsamen und geliebten Kinder an. Die "Art und Weise" der Lösungsfindung bei Trennung und Scheidung entscheidet also über die Zukunft der getrennten Familie und ihr weiteres Miteinander.

Hier setzt der Gedanke der Mediation an: Mediation ist eine Methode des fairen Miteinander. In der Mediation suchen die Eheleute in kooperativer und unmittelbar kommunikativer Weise nach einverständlichen Lösungen. Sind diese - in einem mitunter durchaus auch mühevollen Prozeß - gefunden, besteht der Lohn in der Tragfähigkeit der Ergebnisse und der Möglichkeit, auch bei der Ausübung der weiteren gemeinsamen Elternverantwortung vertrauensvoll miteinander zu kooperieren. Die Belastungen dern Trennung und Scheidung werden so für die Familie auf ein verträgliches Maß reduziert.

Besondere Aufmerksamkeit und Zeit wird in der Mediation den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder gewidmet, damit ihr Wohl nicht untergeht. Fragen der Obhut, des elterlichen Umgangs mit dem anderen Elternteil und der Art und Weise der Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge werden in der Mediation in allen Einzelheiten ausführlich besprochen und geklärt, bis sich die getroffenen Regelungen für die gesamte Familie als praktikabel erweisen. Die Erarbeitung solcher tragfähigen Regelungen ist überhaupt nur im Wege des unmittelbaren Miteinander beider Elternteile unter Beachtung fairer Regeln möglich.

Mediation ist also ein familienfreundlicher, zielgerichteter und zukunftsorientierter Prozeß: ihr Ziel ist die eigenverantwortliche Erarbeitung tragfähiger, angemessener und fairer Lösungen für Kinder und Eltern. Die fairen Regeln des Verfahrens ermöglichen das Erreichen des Ziels.

Ihre Mediatorin baut Ihnen Brücken

Ihre Mediatorin stammt meist aus einem psychosozialen oder juristischen Beruf und ist in der Ausbildung speziell auf die Fähigkeit der Vermittlung geschult worden. Es gibt auch Mediatorenteams, die dann idealerweise aus einem männlichen Mediator und einer weiblichen Mediatorin bestehen, jeweils aus einem juristischem und psychosozialen Beruf. Fragen Sie ruhig Ihre Mediatoren nach ihrer Ausbildung, das ist Ihr gutes Recht.
Ihre Mediatorin legt zunächst gemeinsam mit Ihnen die Regeln der Mediation und den zeitlichen Ablauf fest. Sie führt und strukturiert die Verhandlungen, ordnet die strittigen Punkte und achtet auf die Einhaltung der vereinbarten Regeln. Ihre Mediatorin beobachtet auch, ob eine hinreichende Fähigkeit beider Partner zur eigenen ausreichenden Interessenwahrnehmung gegeben ist. Sie sorgt für die Klärung aller Fakten und Zahlen und erbittet die Beibringung der erforderlichen Unterlagen. Ihre Mediatorin achtet auf die Sachlichkeit der Verhandlungsebene und richtet den Blick der Parteien auf das Hier und Jetzt sowie auf die Zukunft: sie hat also stets das Ziel, die Erarbeitung von tragfähigen Regelungen im Auge. Ihre Mediatorin faßt auch Ihre Übereinstimmungen zusammen, gibt Anregungen und baut Brücken, keinesfalls aber trifft Ihre Mediatorin für Sie Ihre Entscheidungen. Und vor allem achtet sie darauf, daß Ihre Kinder stets eine ausreichende Beachtung in der Mediation finden.

Ein Weg des Kompromisses - Ein Weg für alle?

Zunächst kommt Mediation für jeden in Betracht, der sich trotz seiner Trennung noch vorstellen kann, mit seinem Partner zu sprechen und den Wunsch in sich trägt, seinen gesamten Trennungs- und Scheidungsvorgang aktiv und eigenverantwortlich zu regeln. Da Mediation auf dem Prinzip der Freiwilligkeit aufbaut, kommen darüber hinaus nur Paare in Betracht, die beide diese Methode anerkennen und wünschen. Mediation ist nicht notwendig, wo sich die Parteien bereits in allen Punkten einig sind. Überall dort aber, wo die Bearbeitung des vorhandenen Konfliktpotentials nicht weiter kommt und die Kinder nicht untergehen sollen, bietet die Mediation eine Methode des unmittelbaren Miteinander unter Beachtung fairer Regeln. Natürlich kommt Mediation auch für Nichtverheiratete oder Paare in Betracht, die keine Kinder haben, denn die Art und Weise der Beendigung eines Lebensabschnitts entscheidet grundlegend über Ihr Wohlbefinden und Ihre Energie in der Zukunft und ist daher für jeden wichtig.

Das Recht prägt die Mediation

Ein Gesamtlösungspaket mit wechselseitigem Zu- und Abgeben durch beide Parteien setzt natürlich eine ausreichende Kenntnis der Rechtslage voraus. Eine Partei, die in völliger Unkenntnis der Rechtslage auf ihre Ansprüche verzichtet, würde übervorteilt. Ihre Mediatorin erörtert mit Ihnen hinreichend alle rechtlichen Fragen, wenn sie eine Anwaltsmediatorin ist und damit die Befugnis zur Rechtsberatung besitzt. Es ist ihr jedoch nicht möglich, eine "parteiische" Beratung abzugeben, da sich die Interessen der Parteien entgegenstehen und die Allparteilichkeit ihrer Mediatorin gewahrt bleiben muß. Beide Ehepartner sind daher gehalten, außerhalb des Mediationsprozesses ihren parteiischen Anwalt aufzusuchen, wenn sie eine parteiische Rechtsberatung wünschen. Ihr parteiischer Außenanwalt überpüft für sie auch gerne noch einmal die in der Mediation erarbeitete und schriftlich fixierte Vereinbarung. So werden die Regeln der Fairneß in besonderer Weise gewahrt.

Ein bezahlbarer Weg

Eine Mediationssitzung umfaßt in der Regel einen Zeitraum von 90 Minuten, erforderlich sind erfahrungsgemäß mindestens 4 Sitzungen. Sie persönlich entscheiden darüber, wie oft und mit welchen Fragen Sie Ihren Außenanwalt während der Mediation befassen. Ist die Vereinbarung schließlich notariell protokolliert, benötigen Sie im Scheidungsverfahren nur noch einen Anwalt. Das spart Ihnen erhebliche Kosten, die Sie auf das Mediationsverfahren verwenden können. Die Mediation ist einschließlich der weiteren Kosten für Außenanwälte, Notar und den anschließenden Scheidungsanwalt (oft einer der bereits tätig gewesenen Außenanwälte) meist billiger als das traditionelle kontradiktorische Verfahren. Auf jeden Fall ist die psychische Entlastung, die aufgrund der gewählten Methode für alle Familienmitglieder in Zukunft zu erwarten steht, mit Geld überhaupt nicht aufzuwiegen.

Kommunikation auch in der Zukunft

Familiengerichtliche Urteile sind in aller Regel nicht endgültig. Gerichtliche Abänderungsverfahren lassen die alten Wunden wieder bluten. Die Mediation bietet hier die Möglichkeit, die veränderten Verhältnisse jederzeit wieder in der unmittelbaren Weise miteinander aufzugreifen und auch faire Folgeregelungen zu treffen, sei es, daß die Bedürfnisse der Kinder wachsen (Klassenfahrten, Auslandsschuljahr), sei es, daß Ihr Einkommen geringer wurde oder stieg, Sie Ihren Arbeitsplatz verloren haben oder die andere Partei eine Erwerbstätigkeit aufnimmt und hinzuverdient, oder sei es, daß sich eine getroffene Regelung als unpraktisch erweist. Daß die Kommunikation im Interesse der Familie nicht abreißt, darin besteht ja gerade der Vorteil der Mediation.

 
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